ALTERSVORSORGE · DB-MITARBEITER

Altersvorsorgedepot ab 2027: Lohnt es sich für dich neben dem DB-Pensionsfonds?


Ab Januar 2027 gibt es ein neues, staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot. Viele Kolleginnen und Kollegen fragen sich: Ersetzt das meinen Pensionsfonds? Brauche ich das überhaupt zusätzlich? Wir ordnen ein, was wirklich neu ist.

LZ
Laura Zebun
Versicherungsexpertin · Bahnversicherer

🕐 9 Min. Lesezeit

🕐 Zuletzt aktualisiert: September 2026

Das Altersvorsorgereformgesetz ist beschlossene Sache: Der Bundestag hat es am 27. März 2026 verabschiedet, der Bundesrat am 8. Mai 2026 zugestimmt, verkündet wurde es am 29. Mai 2026. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Banken, Broker und Fondsanbieter das neue Altersvorsorgedepot anbieten. Für dich als DB-Mitarbeiter oder selbstständigen Lokführer stellt sich jetzt die praktische Frage: Wie fügt sich das Altersvorsorgedepot in das ein, was du bereits hast — Pensionsfonds, betriebliche Altersvorsorge, vielleicht noch ein alter Riester-Vertrag? In diesem Artikel ordnen wir die wichtigsten Fakten ein, ohne dir vorschnell etwas zu verkaufen.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein neues Produkt der geförderten privaten Altersvorsorge — der sogenannten dritten Säule, zu der bisher vor allem Riester-Verträge zählten. Der entscheidende Unterschied: Beim Altersvorsorgedepot wird bewusst auf eine Beitragsgarantie verzichtet, damit dein Geld renditeorientierter angelegt werden kann, zum Beispiel in Fonds oder ETFs. Kapitalerträge sind während der Ansparphase steuerfrei.

Neben dem klassischen, frei wählbaren Altersvorsorgedepot gibt es eine vereinfachte Variante: das Standarddepot. Hier legt der Anbieter automatisch in zwei vorgegebene Fonds an und schichtet dein Kapital mit steigendem Alter automatisch in risikoärmere Anlagen um. Die Effektivkosten sind hier auf 1,0 Prozent pro Jahr gedeckelt — ein wichtiger Unterschied zu manch teurem Altvertrag. Wer weiterhin eine Beitragsgarantie möchte, kann sich außerdem für klassische Garantieprodukte mit 100 oder 80 Prozent Beitragserhalt entscheiden.

💡 GUT ZU WISSEN

Das Altersvorsorgedepot ist kein direkter „Riester-Nachfolger“ im engen Sinn, sondern ein eigenständiges neues Produkt innerhalb derselben geförderten dritten Säule. Es tritt neben bestehende Riester-Verträge, betriebliche Altersvorsorge und deinen DB-Pensionsfonds — nicht automatisch an deren Stelle.

Wie funktioniert die staatliche Förderung?

Die Förderung ist beitragsproportional aufgebaut und damit einfacher als beim klassischen Riester-System:

  • Für jeden eingezahlten Euro bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro pro Jahr gibt es 50 Cent Grundzulage vom Staat.
  • Für den Bereich zwischen 361 und 1.800 Euro Eigenbeitrag pro Jahr gibt es noch 25 Cent je Euro dazu.
  • In der Summe ergibt das eine Grundzulage von maximal 540 Euro im Jahr.
  • Für jedes Kind kommt eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Jahr hinzu (1 Euro Zulage je eingezahltem Euro, bis 300 Euro Eigenbeitrag).
  • Wer vor dem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließt, erhält einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus zusätzlich.

Um überhaupt Förderung zu bekommen, musst du mindestens 120 Euro im Jahr einzahlen. Förderfähig sind Beiträge bis 1.800 Euro pro Jahr, insgesamt kannst du sogar bis zu 6.840 Euro im Jahr einzahlen — der Teil oberhalb der Förderfähigkeitsgrenze bleibt dann ohne Zulage, aber weiterhin steuerlich begünstigt in der Ansparphase.

Wer ist förderberechtigt?

Förderberechtigt sind unter anderem Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung, Beamte sowie Minijobber, die nicht von der Rentenversicherungspflicht befreit sind. Neu ab 2027: Auch Selbstständige, die ihre Einkünfte über die Steuererklärung nachweisen, sowie Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke können mitmachen. Für die meisten DB-Beschäftigten in einem regulären Anstellungsverhältnis ändert sich hier wenig — sie waren und bleiben förderberechtigt. Wichtig für selbstständige Lokführer bei privaten EVU: Für euch öffnet sich mit der Reform ein Zugang, den es beim klassischen Riester in dieser Form nicht in jedem Fall gab.

Altersvorsorgedepot vs. DB-Pensionsfonds im Vergleich

Der Bahn-Pensionsfonds gehört zur betrieblichen Altersvorsorge und wird nach eigenen Regeln (§ 82 Abs. 2 EStG) gefördert — unabhängig vom neuen Altersvorsorgedepot, ohne dass hierfür eine separate Zertifizierung nötig ist. Beide Bausteine schließen sich also nicht aus, sondern ergänzen sich:

KriteriumDB-Pensionsfonds (bAV)Altersvorsorgedepot
TrägerschaftÜber den Arbeitgeber organisiertFrei wählbarer Anbieter (Bank, Broker, Fondsgesellschaft)
FörderartSteuer- und sozialabgabenfreie EntgeltumwandlungZulagen (max. 540 € Grundzulage + Kinderzulage)
GarantieJe nach Tarif, meist mit GarantieanteilOptional — Standarddepot ohne Garantie, alternativ Garantieprodukt wählbar
KostenAbhängig vom Tarif des VersorgungswerksBeim Standarddepot auf 1,0 % p.a. gedeckelt

In der Praxis heißt das meistens: Der Pensionsfonds bleibt dein Fundament, weil er über den Arbeitgeber läuft und eine eigene Förderlogik hat. Das Altersvorsorgedepot kann sinnvoll sein, um zusätzlich Kapital aufzubauen — besonders für Familien mit Kindern wegen der Kinderzulage, oder für junge Kolleginnen und Kollegen unter 25 wegen des Berufseinsteigerbonus.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

⚠️ WICHTIG ZU WISSEN

Kündige einen bestehenden Riester-Vertrag nicht vorschnell. Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, genießen Bestandsschutz. Du kannst innerhalb des bestehenden Vertrags in die neue Fördersystematik wechseln oder komplett in einen neuen Vertrag umsteigen — ein Wechsel ohne genaue Prüfung kann dich aber unter Umständen Garantien oder Vorteile kosten, die dein Altvertrag bietet.

Rürup- beziehungsweise Basisrenten-Verträge lassen sich nicht in ein Altersvorsorgedepot übertragen — das sind weiterhin getrennte Systeme. Wer unsicher ist, ob der eigene Riester-Vertrag noch zeitgemäß ist oder ob ein Wechsel sich lohnt, sollte das individuell durchrechnen lassen, statt aus reiner Verunsicherung zu kündigen.

Risiken: Keine Garantie mehr

Der Verzicht auf eine Beitragsgarantie ist der Kernpunkt der Reform — und gleichzeitig der wichtigste Risikohinweis: Beim klassischen Altersvorsorgedepot haftet niemand für die Wertentwicklung. Steigen die Kurse, profitierst du stärker als bei einem garantierten Vertrag. Fallen sie, trägst du das Verlustrisiko allein. Wer damit nicht leben möchte, sollte gezielt zum weiterhin verfügbaren Garantieprodukt mit 100 oder 80 Prozent Beitragserhalt greifen, oder auf das kostenoptimierte Standarddepot mit automatischer Umschichtung in risikoärmere Anlagen zum Rentenbeginn setzen.

So gehst du am besten vor

✅ CHECKLISTE VOR DEINER ENTSCHEIDUNG

Prüfe zuerst, was dein Pensionsfonds und deine bAV bereits leisten, bevor du zusätzlich abschließt. Kündige keinen bestehenden Riester-Vertrag ohne Vergleichsrechnung. Kläre, ob du von Kinderzulage oder Berufseinsteigerbonus profitierst. Entscheide bewusst zwischen Garantieprodukt und renditeorientiertem Standarddepot oder freiem Depot — je nachdem, wie viel Schwankung du aushalten kannst.

Am einfachsten ist es, deine gesamte Altersvorsorge einmal im Zusammenhang zu betrachten: Pensionsfonds, eventuell bestehende Riester-Verträge und die Frage, ob und wie ein Altersvorsorgedepot ab 2027 für dich Sinn ergibt. Genau dabei unterstützen wir dich — unabhängig und auf deine Situation als Bahn-Beschäftigter zugeschnitten.

Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot

Ersetzt das Altersvorsorgedepot meinen Pensionsfonds?

Nein. Der Pensionsfonds ist Teil der betrieblichen Altersvorsorge und läuft über eine eigene Förderlogik. Das Altersvorsorgedepot ist ein zusätzliches, freiwilliges Produkt der privaten Vorsorge.

Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot abschließen?

Anbieter dürfen die neuen Produkte ab dem 1. Januar 2027 anbieten. Vorher kannst du dich informieren und vergleichen, ein Abschluss ist aber erst dann möglich.

Muss ich meinen Riester-Vertrag jetzt kündigen?

Nein, auf keinen Fall vorschnell. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz. Ein Wechsel kann sinnvoll sein, sollte aber erst nach einem individuellen Vergleich erfolgen.

Wie viel Förderung bekomme ich maximal?

Die Grundzulage liegt bei maximal 540 Euro im Jahr. Mit Kindern kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind hinzu, unter 25 Jahren einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus.

Ist das Altersvorsorgedepot auch für selbstständige Lokführer interessant?

Ja. Mit der Reform wird der Kreis der Förderberechtigten unter anderem um Selbstständige erweitert, die ihre Einkünfte über die Steuererklärung nachweisen — ein Zugang, der beim klassischen Riester nicht in jedem Fall gegeben war.

Passt das Altersvorsorgedepot zu deiner Situation?

Wir schauen uns kostenlos und unverbindlich an, wie Pensionsfonds, bestehende Verträge und das neue Altersvorsorgedepot bei dir zusammenspielen.

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Laura Zebun
Versicherungsexpertin · Bahnversicherer / AWT Finanz GmbH · Berlin

Laura berät DB-Mitarbeiter und selbstständige Lokführer zu Altersvorsorge, Berufshaftpflicht und Absicherung im Bahnbetrieb.