
Betriebliche Altersvorsorge für Eisenbahner: Der Guide
25. Juni 2026
GDL-Tarifeinigung 2026: Was die 2,5 % Lohnerhöhung für deine BU-Versicherung bedeutet
31. Juli 2026Die EVG-Tariferhöhung ist seit diesem Monat spürbar: Wer bei der Deutschen Bahn arbeitet und von der EVG vertreten wird, bekommt seit Juli 2026 mehr Geld überwiesen. Für viele ist das die erste echte Lohnsteigerung seit der letzten Tarifrunde — und damit auch ein guter Zeitpunkt, um über mehr als den nächsten Urlaub oder die nächste Anschaffung nachzudenken. Denn genau in solchen Momenten entscheidet sich, ob zusätzliches Geld im Alltag verschwindet oder langfristig für dich arbeitet, zum Beispiel in Form von Altersvorsorge.
Was die EVG-Tarifeinigung 2026 konkret bedeutet
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und die Deutsche Bahn haben sich Anfang 2025 auf einen mehrstufigen Tarifvertrag für rund 192.000 Beschäftigte geeinigt. Insgesamt steigen die Löhne in mehreren Schritten um gut 6,5 Prozent. Der erste Schritt greift jetzt: Zum Juli 2026 gibt es eine Erhöhung von 2 Prozent. Ein Jahr später, im Juli 2027, folgen weitere 2,5 Prozent, und ab Dezember 2027 kommt zusätzlich ein Einmalbetrag von 2 Prozent hinzu. Für die tägliche Praxis heißt das: Wer 3.200 Euro brutto verdient, hat seit Juli 2026 rund 64 Euro brutto mehr im Monat — nicht die Welt, aber über ein Jahr gerechnet ein spürbarer Betrag.
Auch die GDL hat für ihre Mitglieder eine eigene Tarifeinigung erzielt: zwei lineare Erhöhungen um jeweils 2,5 Prozent zum 1. August 2026 und zum 1. August 2027. Welche Erhöhung für dich gilt, hängt davon ab, welchem Tarifvertrag du unterliegst.
Wie viel netto wirklich bei dir ankommt
Von einer Bruttoerhöhung kommt wegen Steuern und Sozialabgaben nie der volle Betrag netto an — grob die Hälfte bis zwei Drittel, je nach Steuerklasse und Gehaltsstufe. Bei den oben genannten 64 Euro brutto bleiben also realistisch etwa 35 bis 40 Euro netto im Monat übrig. Klingt nach wenig, summiert sich aber: Über zehn Jahre und mit Zinseffekten kann aus diesem „kleinen Rest“ ein ordentlicher Baustein für die Altersvorsorge werden — vorausgesetzt, das Geld wird nicht einfach im laufenden Konto verbraucht.
Die Rentenlücke bei der Bahn — größer als viele denken
Die gesetzliche Rente ersetzt bei einem Durchschnittsverdiener nur einen Teil des letzten Nettoeinkommens — die sogenannte Rentenlücke betrifft nahezu alle Angestellten, auch bei der Deutschen Bahn. Wer im Schichtdienst arbeitet, hat zusätzlich oft unregelmäßigere Beitragsjahre, etwa durch Zeiten in Ausbildung, Elternzeit oder gesundheitsbedingte Auszeiten. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf zusätzliche Vorsorgebausteine — private Altersvorsorge, betriebliche Altersvorsorge oder eine Kombination aus beidem.
| Vorsorgeform | Vorteil | Worauf achten |
|---|---|---|
| Betriebliche Altersvorsorge (bAV) | Steuer- und Sozialabgabenvorteil, oft Arbeitgeberzuschuss | Geringere Rente im Alter steuer- und beitragspflichtig |
| Private Rentenversicherung | Flexibel, unabhängig vom Arbeitgeber, frei wählbare Höhe | Laufzeit und Kosten vergleichen |
| Berufsunfähigkeitsschutz als Ergänzung | Sichert die Vorsorge ab, falls die Arbeitskraft wegfällt | Gerade für Fahrdienst besonders relevant |
Drei Wege, die Erhöhung sinnvoll einzusetzen
Du musst nicht die komplette Erhöhung in die Vorsorge stecken. Schon ein Teil reicht, wenn du ihn konsequent umleitest, statt ihn im Alltag versickern zu lassen.
1. Dauerauftrag einrichten, bevor das Geld „normal“ wird
Der einfachste Trick: Richte direkt nach der ersten höheren Gehaltsabrechnung einen Dauerauftrag über den Netto-Differenzbetrag auf ein Vorsorgekonto oder eine Rentenversicherung ein. Nach ein bis zwei Monaten hast du dich an das neue Nettogehalt „ohne“ diesen Betrag gewöhnt.
2. Bestehende bAV aufstocken statt neu abschließen
Wenn du bereits eine betriebliche Altersvorsorge hast, ist eine Aufstockung meist unkomplizierter als ein neuer Vertrag — und du profitierst weiterhin vom Steuer- und Abgabenvorteil.
3. BU-Schutz mitdenken, nicht nur Sparen
Vorsorge ohne Absicherung der Arbeitskraft ist nur die halbe Miete: Wer im Fahrdienst arbeitet und seine Tauglichkeit verliert, braucht vor allem eine BU-Rente, die zum aktuellen Gehalt passt. Ein Teil der Erhöhung kann genau dafür verwendet werden, den BU-Schutz nachzujustieren.
Viele passen nach einer Gehaltserhöhung ihre Lebenshaltungskosten automatisch an — ein neues Abo, ein größeres Auto, häufiger auswärts essen. Die Erhöhung ist dann im Alltag aufgebraucht, ohne dass sich langfristig etwas verändert hat.
Betriebliche Altersvorsorge bei der DB — der unterschätzte Hebel
Viele DB-Beschäftigte kennen ihre Möglichkeiten zur betrieblichen Altersvorsorge nur oberflächlich. Der Grundgedanke: Ein Teil des Bruttogehalts wird vor Steuern und Sozialabgaben in eine Altersvorsorge umgewandelt (Entgeltumwandlung). Das senkt kurzfristig die Abzüge und baut gleichzeitig Kapital für später auf. Der Haken: Im Alter ist die ausgezahlte Rente aus der bAV wieder steuer- und beitragspflichtig, und wer die Beiträge zu hoch ansetzt, hat kurzfristig weniger Netto zur Verfügung. Eine unabhängige Beratung hilft, die richtige Balance zwischen bAV, privater Vorsorge und aktueller Liquidität zu finden — genau das bieten wir bei Bahnversicherer als DEVK-Agentur mit Fokus auf die Bahnwelt.
Lass dir einmal im Jahr — am besten direkt nach einer Tariferhöhung — deine gesamte Altersvorsorge-Situation aufzeigen: gesetzliche Rente, bAV, private Vorsorge und BU-Schutz in einer Übersicht. So siehst du sofort, wo eine Lücke bleibt.
Was, wenn das Geld doch im Alltag verschwindet?
Nicht jeder kann oder will die komplette Erhöhung in die Vorsorge stecken — steigende Mieten, Energiekosten und Alltagsausgaben sind real. Falls für dich aktuell kein Spielraum bleibt, ist das kein Grund, das Thema komplett zu verschieben. Schon eine kleine, aber verbindliche Summe — etwa 20 Euro im Monat — schafft eine Routine, die du später erhöhen kannst, sobald sich deine finanzielle Situation weiter verbessert, etwa mit der nächsten Tarifstufe im Sommer 2027.
Häufige Fragen
Für wen gilt die EVG-Tariferhöhung?
Sie betrifft die rund 192.000 Beschäftigten, die unter den EVG-Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn fallen. Lokführer, die von der GDL vertreten werden, erhalten die separate GDL-Tarifsteigerung.
Muss ich die Erhöhung sofort in Vorsorge stecken?
Nein. Sinnvoll ist es, aber es muss nicht die komplette Summe sein. Wichtig ist eine bewusste Entscheidung statt automatischem Konsum.
Was ist besser: bAV oder private Rentenversicherung?
Das hängt von deinem Gehalt, deiner Steuerklasse und deiner Planung ab. Häufig ist eine Kombination aus beidem sinnvoll — eine individuelle Berechnung zeigt, was für dich passt.
Was hat Berufsunfähigkeit mit Altersvorsorge zu tun?
Jede Altersvorsorge ist nur so sicher wie dein Einkommen. Fällt die Arbeitskraft durch Krankheit oder Verlust der Fahrdiensttauglichkeit weg, greift ohne BU-Schutz oft nur eine niedrige gesetzliche Erwerbsminderungsrente — die Vorsorgepläne geraten ins Wanken.
Allgemeine Informationen zur Rentenlücke und Altersvorsorge liefert auch die Deutsche Rentenversicherung.
Lass deine Vorsorge zur Gehaltserhöhung passen
Wir zeigen dir kostenlos und unverbindlich, wie viel Rentenlücke bei dir konkret besteht — und wie du die EVG-Tariferhöhung sinnvoll einsetzt.
Versicherungsexpertin · Bahnversicherer / AWT Finanz GmbH · Berlin
Laura berät DB-Mitarbeiter und selbstständige Lokführer zu Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit und Absicherung rund um den Bahnalltag.





